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REZEPTANZEIGE

Sülze von gesalzenen Schweinebäckle mit Linsen, einge .

===============REZKONV Format (B&S REZEPT-WEB 1.1)
 
     Titel: Sülze von gesalzenen Schweinebäckle mit Linsen, einge .
Kategorien: ???
     Menge: 1 Rezept
 
=================== ORIGINALTEXT D====================================
 
========================== TOPINAM====================================
    100    Gramm  Topinamburpüree
  2 1/2   Stücke  Gelatineblätter
 
================ SCHWEINEBÄCKLE, G====================================
      1   Stücke  Gepökelte Schweinebäckle 
                  -- (evtl. mehr)
      1    Stück  Getrocknetes Lorbeerblatt
      1    Stück  Gewürznelke
      1    Prise  Frisch gemahlener schwarzer 
                  -- Pfeffer
           Etwas  Gemüse-Kräuter-Bouquet 
                  -- (z.B. Salbei, Thymian,
                  -- Majoran, Karotte, 
                  -- Zwiebel, Sellerie)
           Etwas  Gehackte glatte Petersilie
    160    Gramm  Schweinebäckleconsommé
      1    Prise  Salz und frisch gemahlener 
                  -- schwarzer Pfeffer
           Etwas  Sherryessig
  3 1/2   Stücke  Gelatineblätter
     50       ml  Geflügeljus
     25    Gramm  Gänseleberterinne
    1/2    Stück  Gelatineblatt
 
============================= LINSE===================================
     40    Gramm  Alblinsen
      1    Stück  Schalotte
      5     Essl. Gelierflüssigkeit der 
                  -- Schweinebäckle (evtl. 
                  Eingelegtes Gemüse
    1/2    Stück  Karotte
    1/4    Stück  Sellerieknolle
    1/2    Stück  Rote Bete
    100    Gramm  Hokkaidokürbis
    100    Gramm  Süßkartoffel
    1/2    Stück  Beta-Sweet-Karotte
      1    Stück  Schwarzwurzel
      1    Stück  Petersilienwurzel
      2   Stücke  Schalotten
      1    Stück  Knoblauchzehe
    150       ml  Weißweinessig
     90    Gramm  Zucker
      6   Stücke  Paradieskörner
     10   Stücke  Weiße Pfefferkörner
     15   Stücke  Senfkörner
      6   Stücke  Kardamonsamen
      6   Stücke  Pimentbeeren
           Etwas  Thymian
           Etwas  Chilischote
      1    Prise  Salz
 
======================== SENFSAUCE ===================================
     50    Gramm  Mayonnaise
     20    Gramm  Joghurt (3,5% Fett)
    1/2     Essl. Grober Senf
      1 Spritzer  Sherryessig
      1    Prise  Salz und frisch gemahlener 
                  -- schwarzer Pfeffer
      2   Stücke  Kartoffelchips zum Garnieren
           Etwas  Kochfond von den 
                  -- Schweinebäckle
 
===============================Que====================================
 
 Seit vier Jahren werkelt der Hobbykoch vom Dienst in der Tageskarte-
Küche vor sich hin - höchste Zeit also, ihn mal zu einem Sterne-
gekrönten Kochmeister in die Lehre zu schicken. Und ihn dabei grandios
scheitern zu sehen.
 Zu kochen sei heute, verriet der Waschzettel, "Sülze von gesalzenen
Schweinebäckle mit Linsen, eingelegtem Gemüse und Senfsauce". Klingt
für einen Wahlnorddeutschen in etwa so schwierig wie "Sauerfleisch mit
Linsen und Mixed Pickles". Doch erstens stammt das Rezept von einem
waschechten Badener Sternekoch und zweitens hätte man nie gedacht, sich
mit dieser Ersteinschätzung schlimmer schneiden zu können, als es einem
je mit dem schärfsten Gemüsemesser hätte passieren können.
 Doch alles schön der Reihe nach. Geladen waren an einem grauen
Spätherbstsonntag ein paar "food editors", wie Essensjournalisten
heutzutage genannt werden wollen, zu Hamburgs bestem österreichischen
Lokal, dem Tschebull. Inhaber Alexander Tschebull stellte seine
Großküche an diesem Tag jenem elitären Verein zur Verfügung, in den
auch er seinerzeit nur eintreten durfte, weil zwei andere junge
deutsche Spitzenköche unter den Mitgliedern persönlich für ihn bürgten.
Nun feiert in diesem Jahr die hiesige Sektion der Jeunes Restaurateurs
d'Europ" ihr 20. Jubiläum, und ein Teil der Feierlichkeiten wurden in
Tschebulls Küche und Restaurant abgehalten.
 Denn zu Bejubeln gibt es auch die Veröffentlichung eines der mit
Abstand schönsten und leckersten Kochbücher des Jahres: "Die neue
deutsche Küche - eine kulinarische Reise mit den Jeunes Restaurateurs".
57 dieser Spitzenköche - nicht alle hoch dekoriert, aber stets hoch
motiviert - zeigen dort je ein Dreigangmenü, das zutiefst in der
jeweiligen Region verwurzelt ist, in der sie aktuell wirken. Darunter
sind viele Klassiker deutscher Küche, allesamt aber auf sehr
bekömmlich-moderne Art zubereitet und angesichts des hehren Anspruchs
dieses Vereins natürlich auch handwerklich auf höchstem Niveau gekocht.
 Acht dieser Rezepte konnten in der Tschebull-Küche an der Seite ihrer
Erfinder von uns Genuss-Schreiberlingen mitgekocht werden. Und binnen
weniger Minuten fühlten sich auch die Erfahrensten darunter wie
grünohrige Apprendis im höchstens zweiten Lehrjahr. Der
Tageskarte-Hobbykoch vom Dienst wurde Marius Fallert zugeordnet, dessen
elterlicher Betrieb Restaurant Fallert im badischen Sasbachwalden mit
hohen Auszeichnungen (ein Michelin-Stern, 16 Gault Millau-Points,
sieben Gusto-Pans) geehrt ist. Völlig zu Recht, wie sich angesichts der
wunderbar tiefbadischen Schweinebäcklesülze binnen kürzester Zeit
zeigte.
 Messer-Marius und das Schalotten-Massaker  Mal ganz abgesehen von dem
reinen Handwerk, mit riesigen, rattenscharfen Messern blitzschnell
kleine Schalotten in einen Haufen mikroskopisch winziger Würfelchen zu
verwandeln - was Könner wie Fallert wirklich auszeichnet, ist ihre
Fähigkeit, in einem hochkomplexen Aromenfeld zwischen süß, sauer,
bitter, fleischig und salzig mit himmlischer Sicherheit die perfekte
Balance abzuschmecken.
Besonders bei diesem Gericht eine echte Meisterleistung, denn so gut
wie alle Komponenten müssen im heißen oder zumindest warmen Zustand
gewürzt werden, obwohl sie am Ende kalt auf den Teller kommen und dann
wieder ganz anders schmecken. Eine angesichts der hier verwendeten
strengen Aromaten wie Sherryessig, Topinamburwurzel und Pökelfleisch
für den Laien fast unlösbare Aufgabe.
 Nun, immerhin konnte der im heutigen Tageskarte-Rezept ausführlich
dokumentierte Nachkochversuch der Schweinebäcklesülze sich auf ein paar
Beobachtungen bei der Live- Kochveranstaltung in Hamburg stützen.
Ohne die, das muss hier einfach mal zugegeben werden, hakt selbst ein
so gut erklärtes Rezept wie das aus dem Jeunes-Buch an einigen Ecken.
 Doch trotz dieses erspickten Zusatzwissens - und das ist auch der Kern
unseres heutigen Themas - ist Fallerts Buch-Kochanleitung selbst von
erfahrenen Hobbykochschaffenden nicht einfach mal auf einer Arschbacke
nachzukochen. In unserem Fall standen sich die Kochfüße alles in allem
gut zehn Stunden in der Küche platt, so manche Komponente wanderte
zweimal in den Müll, bis sie erst halbwegs gelang, und insgesamt bleibt
festzuhalten, dass Rezepte dieses Schwierigkeitsgrades besser im Team
mit Freunden oder im Kochclub realisierbar sind.
  Oder man macht es wie der Tageskarte-Koch: allein mit dem Kopf durch
die Wand knapp zwei Tage in der Küche fluchen - und am Ende doch mehr
dazu gelernt haben als in drei mittelmäßigen Kochkursen zusammen.
 Wem das alles zu blöd ist, braucht hier nicht weiterzulesen und wartet
einfach auf die nächste Tageskarte - da zaubern wir ratzfatz mit
einfachsten Mitteln aus einem grüngelben Kürbis und einer schrumpeligen
Quitte eine leckere Italo- Vorspeise.
 2. Teil: Rezept für Sülze von gesalzenen Schweinebäckle mit Linsen,
eingelegtem Gemüse und Senfsauce  Vorspeisen-Rezept für 2 Personen vom
Sasbachwaldener Sternekoch Marius Fallert - hier das Originalrezept aus
dem Buch, kommentierend nachgekocht von Peter Wagner 
Vorbereitungszeit: 120 Minuten (plus 24 Stunden Marinierzeit) 
Zubereitungszeit: 120 Minuten (Zeiten sind bei Beachtung der Tipps
einhaltbar)  Schwierigkeitsgrad: sehr schwer    Gegenüberstellung des
Rezepttextes und der Hobbykochrealität  Topinamburmantel  Rezept: "In
einem kleinen Topf das Püree erhitzen. Die Gelatineblätter in kaltem
Wasser einweichen, dann ausdrücken und zu dem Püree geben. Die Masse
dünn auf ein Stück Backpapier aufstreichen und kalt stellen. Wenn die
Masse fest ist, einige Streifen in der Größe der Sülzeform ausschneiden
und die Form damit auslegen."  Realität: Fallert hat beim Showkochen in
Hamburg keine Topinambur bekommen und stattdessen Knollensellerie
benutzt. Dessen Püree ist etwas strahlender weiß, doch der Topinambur
aus dem Originalrezept mit seinen strengen, leicht bitteren
Wurzelaromen passt hier viel besser. Problem: Die Zubereitung des
Pürees ist nicht beschrieben, und das Gelieren ging komplett in die
Hose.
 Für das Topinamburpüree empfehlen wir: die Wurzeln sehr sorgfältig
schälen, in Würfel schneiden und mit etwas Salz und einer Prise frisch
geriebener Muskatnuss im Dampfgarer (oder Siebeinsatz im Wassertopf)
sehr weich garen. Mit 4 El Sahne im Mixer oder mit dem Schneidstab fein
pürieren und durch Haarsieb passieren.
 Mit den rezeptierten 2,5 Gelatineblätter gelierte die Masse zwar (über
Nacht im Kühlschrank), ließ sich aber noch nicht mal vom Backpapier
abheben, ohne in etliche Teile zu zerreißen. Während bei klaren Gelees
viele Köche ungern mit fester wirkenden Geliermitteln (Agar-Agar;
vegetarische Gelatine; diverse Molekularküchenpulver) arbeiten, weil
ihnen das Gelee dadurch zu gummiartig wird, brauchte unser Püree
ordentlich Agar-Agar- Zugabe, um elastisch und zugleich belastbar zu
werden. Immerhin: Die nach Rezept gekochte instabile Schicht konnten
wir vom Backpapier abkratzen, einschmelzen und mit 2 g Agar-Agar
vermischt erneut aufstreichen - dann hielt sie bombenfest und sah ihrem
Mimikry-Vorbild (weißer Bardierspeck) perfekt ähnlich.
 Schweinebäckle  Rezept: "In einem Topf die Schweinebäckle mit etwas
Lorbeer, Nelke, Pfeffer und mit einem kleinen Gemüse-Kräuter-Bouquet in
ca. 500 ml Wasser langsam in ca. 2 Stunden weich garen. Die Bäckle dann
aus dem Sud nehmen. Den Sud durch ein Tuch passieren, die Bäckle wieder
hinein legen und auskühlen lassen. Die abgekühlten Schweinebäckle
wieder heraus nehmen, den Fond beiseite stellen und die Bäckle
aufschneiden. Eine Hälfte in dünne Scheiben schneiden, die andere in
feine Würfel zerteilen. Die Würfel mit gehackter Petersilie vermischen
und für die Einlage beiseite stellen."  Realität: Das Problem ist hier
nicht die Zubereitung, sondern die Beschaffung. Je weiter man vom
Badischen wegfährt, umso geringer wird die Häufigkeit gepökelter
Schweinebäckchen im Fleischfachhandel.
Man könnte nun, um dem regionalen Primat dieses Rezepts genüge zu tun,
ein anderes langfasriges Pökelfleisch vom Schwein nehmen (also kein
Rücken/Kassler), landet dann aber meist bei der Haxe, und die ist
geschmacklich wie texturell doch etwas zu weit weg von der Backe.
Schweinebäckchen (roh, nur das schiere Fleisch, nicht zu verwechseln
mit der fetten geräucherten norddeutschen Schweinebacke) aber kann mit
etwas Vorlauf jeder gute Metzger besorgen - uns schaffte er 350 Gramm
rohe Spanferkelbäckchen heran und verkaufte uns freundlicherweise auch
noch das zum Pökeln benötigte Nitritsalz.
Damit (vorsichtig arbeiten, Pulver nicht einatmen, nicht essen!) wird
eine 8-prozentige Pökellauge (z.B. 160 g Nitritsalz/2 l kaltes
Wasser/40 g Zucker - aufkochen & abkühlen lassen) hergestellt, in der
die Bäckchen mindestens 24 Stunden eingelegt werden müssen.
Bäckchen anschließend sehr sorgfältig abwaschen, wenn nötig parieren
(Häutchen auf der Unterseite entfernen) und zubereiten wie im Rezept
beschrieben.
 Für das von Fallert ja eher frei bestimmbar rezeptierte Gemüse-
Kräuter-Bouquet benutzten wir neben dem Gemüse, Thymian und Majoran
allerdings 4 El kleingeschnittener Liebstöckel-Stängel plus 1 El seiner
Blätter. Diese als "Maggi-Gewürz" bekannte Pflanze (die im echten Maggi
übrigens gar nicht enthalten ist), eignet sich geschmacklich zum
Schweinchen besser als Salbei.
 Tipp: Vor dem Aufschneiden die Bäckchen 20 Min. in den Tiefkühler
legen (dann ziehen sich die sonst eher fledderigen Fleischfasern etwas
zusammen) und in der Zwischenzeit das Fleischmesser schärfen, denn es
muss für die Backen rasierklingenscharf sein - sonst gibt's Matsch
statt Scheibchen.
 Sülzenkern  Rezept: "In einem Topf die Geflügeljus aufkochen und die
Gänseleberterrine mit einem Stabmixer hineinmixen. Die Gelatineblätter
in kaltem Wasser einweichen, dann ausdrücken und unterrühren. Alles
durch ein Tuch passieren und beiseite stellen."  Realität: Problemlos,
außer, dass es zu wenig Masse für den Stabmixer ist und für etwas
größere Förmchen (ideal: Servierringe, unten mit Alufolie
abgeschlossen) knapp wird. Also besser die doppelte Menge zubereiten
und 2 Blatt Gelatine nehmen. Den "Geflügeljus" haben Profiköche stets
aus eigener Herstellung zu Hand, man kann sich aber auch mit mild
gesalzener Geflügelbrühe aus dem Glas helfen, die mit ein paar
Spritzern weißem Sherry auf ein Drittel reduziert wird.
 Gelee  Rezept: "In einem kleinen Topf die Consommé aufkochen und mit
etwas Salz, Pfeffer und 1 Spritzer Essig abschmecken. Die
Gelatineblätter in kaltem Wasser einweichen, dann ausdrücken und
unterrühren."  Realität: Mit Consommé meint Fallert die Kochbrühe, in
der die Bäckchen erkaltet sind. Auch hier ist die Menge ziemlich knapp,
also eher etwas mehr vorbereiten und für beide Verwendungen
(Linsenboden & Sülze) 3 g Agar-Agar unterrühren.
 Linsenboden  Rezept: "In einem Topf die Alblinsen in leicht gesalzenem
Wasser in ca. 25-30 Minuten weich kochen. Die Schalotte schälen, fein
würfeln und kurz vor Ende der Garzeit zu den Linsen geben. Die garen
Linsen durch ein Sieb schütten und die Linsen mit kaltem Wasser
abspülen.
Schließlich auf einem Tuch abtropfen lassen. Die Linsen auf ein tiefes
Backblech geben, mit einem Teil des Gelees übergießen und auf dem Blech
gekühlt fest werden lassen."  Realität: Die Sorte Alb-Leisa ist
jenseits vom Ländle meist nur online beziehbar, man kann aber auch
andere kleine dunkle Linsen- Sorten von Top-Qualität (z.B. aus
Frankreich) benutzen. "Backblech" kommt aus Fallerts Großküchenalltag,
dafür ist die rezeptierte Linsenmenge viel zu klein. Deshalb besser
einen Teller mit hohen Rändern nehmen.
 Herstellung der Sülze  Rezept: "Den Linsenboden in der Größe der
Sülzenform ausstechen. Den Linsenboden anschließend auf den
Topinamburmantel, der schon die Form auskleidet, legen und dann ein
bisschen von der Einlage mit den Petersilie-Bäckle-Würfeln in die Form
geben und mit etwas Gelee aufgießen. Wenn die Masse leicht anzieht, die
Schweinebäcklescheiben darauf legen. Anschließend die Füllung für den
Kern darüber gießen.
Wenn die Sülze leicht anzieht, wieder eine Schicht der Würfelmischung
darauf geben und mit Gelee aufgießen, dann wieder eine Schicht
Bäcklescheiben legen. Abschließend noch mal Gelee darüber geben und
alles für einige Stunden kalt stellen.
 Realität: Das Problem dieser Sülzenherstellung ist, dass die Profis
die jeweiligen Schichten im Schock-Gefrierschrank bei Minus 50 Grad
blitzgelieren lassen können. Otto Normalkocher behilft sich, wie
gesagt, mit Beigabe von Agar-Agar, was die Schichten im Kühlschrank
binnen ca. 5 Min. gelieren lässt. Wichtig beim Auftürmen der Schichten
ist, die jeweils nächste Lage auf noch nicht ganz gelierten Untergrund
zu legen und dabei ein bisschen anzudrücken.
Wenn die komplette Sülze dann 2 Stunden kühl gestellt wird, ist sie
garantiert schnittfest. (Eine ausführliche Dokumentation mit 65
Stepp-Fotos findet sich auch auf Peter Wagners Männerkochseite).
 Eingelegtes Gemüse  Rezept: "Die verschiedenen Gemüsesorten jeweils
putzen oder schälen und in Scheiben schneiden. Die Schwarzwurzel und
die Beta Sweet Karotte nur in Streifen schneiden. Aus den Scheiben
kleine runde Ringe ausstechen. Alle ausgestochenen Gemüsescheiben
beiseite legen.
Für den Einlegefond die Schalotten sowie die Knoblauchzehe schälen und
beides in feine Scheiben schneiden. Alle Zutaten in einen Topf mit 600
ml Wasser geben und aufkochen. Kurz ziehen lassen und dann durch ein
Tuch passieren. Nun die ausgestochenen Gemüsescheiben pro Sorte
schrittweise in dem passierten Fond bissfest kochen, dann den Fond
zurück in den Topf mit dem gesamten gekochten Gemüse geben. Den Topf
vom Herd nehmen, abkühlen und somit das Gemüse noch gut ziehen lassen."
 Realität: Recht unscharf beschreiben. Wichtig ist, dass alle Gemüse
sehr dünn geschnitten werden - am besten auf einem guten Küchenhobel
mit sehr scharfen Messern. Zum Ausstechen der Taler eignet sich ein
kleiner Plätzchen-Ausstecher.
 Beim Hantieren mit der violetten Rübe, der Roten Bete und der
Schwarzwurzel unbedingt Silikonhandschuhe tragen und alle Arbeitsgeräte
inkl. Messer und Hobel sofort nach Gebrauch unter heißem Wasser
abspülen. Die Rüben und die Schwarzwurzel lassen sich am besten mit
einem Sparschäler in die Längsstreifen schneiden, die
Schwarzwurzelstreifen müssen bis zum Kochen sofort in Zitronenwasser
gelegt werden, sonst laufen sie blitzschnell hässlich braun an.
 Generell empfiehlt sich, wirklich alle Gemüsesorten (wir nahmen noch
weiße Rüben, Pastinaken und Streckrüben dazu) nacheinander getrennt
bissfest zu garen - beim Showkochen in Hamburg arbeitete Fallert aus
Zeitmangel sogar mit acht kleinen Sauteusen gleichzeitig. Unbedingt
darauf achten, mit den weißen Sorten anzufangen, dann die orangen, die
violetten Rüben und erst am Ende die Bete. Zum rezeptierten Nachziehen
ebenfalls nach hellen und dunklen Sorten trennen.
 Wir ließen versehentlich den Topf, aus dem wir am Ende die Bete
gefischt hatten, ein paar Minuten auf dem Herd stehen. Es bildete sich
ein feiner, honigzäher, tiefroter Karamell, der so gut schmeckte, dass
wir ihn am Ende beim Anrichten in dünnen Fäden über das Gemüse zogen.
 Tipp: Es entstehen durch das Ausstanzen hier viele unbrauchbare
Gemüseabschnitte. Bis auf Bete/Kartoffel und Beta-Karotte haben wir sie
einfach klein geschnitten und einen Gemüsefond daraus gekocht, den wir
an Stelle des rezeptierten Wassers für den Einlegefond der Gemüsetaler
benutzen konnten.
 Senfsauce  Rezept: "Alle Zutaten in einer Schüssel miteinander
verrühren und mit Sherryessig, Pfeffer und Salz fein abschmecken. Zum
Dressieren beim Anrichten in einen Spritzbeutel geben und bis dahin
kalt stellen."  Realität: Problemlos, allerdings hängt die Viskosität
von der eingesetzten Mayonnaise ab. Wird die Mischung zu fest, einfach
mit ein paar Esslöffeln Milch verdünnen. Tipp: Mit "Sherryessig" ist
hier nicht der dunkle PX-Balsamico, sondern einfacher, dünnflüssiger
Essig aus Sherry-typischen Trauben gemeint.
 Anrichten  Rezept: "Die Sülze auf einen großen Teller stürzen und
halbieren.
Eine Seite mit der Schnittfläche nach oben in die Mitte eines Tellers
geben, mit einigen Salatblättern garnieren. Die ausgestochenen
Gemüsescheiben abgießen und abtropfen lassen, dann auf dem Teller
verteilen. Die Senfsauce mit Spitzbeutel dazwischen spritzen. Ein paar
Tropfen Kochfond dazugeben und mit 1 Kartoffelchip garnieren".
 Realität: Bei der Sülze müssen nach dem Halbieren noch die
überstehenden Topinambur-Ränder abgeschnitten werden. Die plötzlich
auftauchenden "Salatblätter" (stehen nicht auf der Zutatenliste)
schmecken roh zu fad, wir nappierten sie mit etwas Vinaigrette
(Sherryessig/Walnussöl/Pfeffer&Salz). Auf dem Buch-Foto ist ein kaum
nachkochbarer "Kartoffelchip" zu sehen: Fallert streicht dafür
Kartoffelpüree hauchdünn auf Backpapier, trocknet es im Ofen und fügt
dem "Chip" mittels einer nur im Patisserie-Fachbedarf erhältlichen
Abziehbild-Folie ein buntes Konfettimuster bei - um die bunten runden
Gemüsescheiben optisch so wieder aufzugreifen. Wir haben stattdessen
einfach ein Kräuterblatt zwischen zwei rohe Kartoffelscheiben gepresst
und sie kurz frittiert. Zusätzlich zu der Senfsauce und dem Kochfond
haben wir noch ein paar Fäden von dem Bete-Karamell (siehe "Gemüse")
über den Salat gezogen.
 Fazit:  Unter Beachtung der Nachkoch-Anmerkungen lässt sich dieses
wunderschöne und preiswerte Rezept (Wareneinsatz unter 15 Euro für 2
Portionen) im Team innerhalb von etwa zweieinhalb Stunden realisieren,
ein konzentriert arbeitender Alleinkoch schafft es in vier Stunden
(zzgl. Marinier- und Gelierzeiten).
 Küchen-Klang  Weil der Hobbykochschaffende bei so einem Mega-Rezept
nicht viel zu lachen, aber sehr viel Zeit in der Küche hat, bietet sich
das Durchhören der nun endlich brauchbar editierten "The Smile
Sessions" (Capitol) der späten Beach Boys (1966) an - aber nicht als
Doppelalbum, sondern gleich die komplette Dröhnung mit den neun CDs der
umfassenden Box...
 Getränketipp  Region is king, deshalb ein Tropfen, zu dessen
Rebstöcken der Sasbachwaldener Sternekoch Fallert auch auf Krücken
hinhumpeln könnte: Die 2010 Riesling-Spätlese "Alte Erbe" vom
Lokalmatador Alde Gott* unterstreicht mit ihrer feinfruchtigen Eleganz
perfekt die zart ausbalancierten süß-sauer-erdig-Noten dieses
Gerichtes.
 *Bezugsquelle: 2010 Riesling-Spätlese "Alte Erbe".
 : O-Titel   : Sülze von gesalzenen Schweinebäckle mit Linsen, : >     
     eingelegtem Gemüse und Senfsauce
 
:Quelle         : Kochfreunde-Rezeptsuche (http://kochfreunde.ruhr-uni-bochum.de)
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© Lothar Schäfer, Dellenburg 11, 44869 Bochum